Orchidee des Jahres 2002

Neottia nidus-avis (L.) Rich.

Vogel-Nestwurz

 Die Vogelnestwurz ist eine der in Deutschland auch heute noch wirklich häufigen Orchideen, die in Gebieten mit kalkreichem Untergrund vorkommt. Sie ist kommt in Europa von Skandinavien durch die Gebirge des nördlichen Balkans bis in die Nordtürkei vor. Die Verbreitungskarte unterstreicht diese Aussagen. Sie wächst an schattigen bis leicht sonnigen Orten in Kalkbuchenwäldern, kommt aber auch in Kiefernwäldern vor. Sie treibt Mitte bis Ende April an, um diese Zeit kann man die knospigen Blütenstände, die an Pilze erinnern, im Laub finden. Ihre Blütezeit beginnt Mitte Mai, kann sich aber bis in den Juli bei höher gelegenen Alpenstandorten erstrecken.

Sie ist eine der Orchideen, die immer in enger Lebensgemeinschaft mit Bodenpilzen verbunden bleibt, von denen sie auch ihre Nährstoffe bezieht. Um diese Lebensweise auch als stattliche, erwachsene Pflanze aufrecht erhalten zu können, hat sie ein in sich stark verzweigtes, unterirdisches Wurzelgeflecht (Rhizom), das die Kontaktfläche zu den Pilzen bildet. Durch diese Ernährungsweise braucht sie keine grünen Pflanzenteile, kein Chlorophyll, die ganze Pflanze ist im Normalfall hellbraun bis kräftig braun gefärbt. Nur bei sehr sonnigem Stand sieht man manchmal einen grünen Anflug. Selten sind Farbvarianten, die dann schwefelgelb oder auch schneeweiß gefärbt sein können. Sie hat einen praktisch immer vollständigen Fruchtansatz, was auf Selbstbestäubung hindeutet, man kann aber auch beobachten, daß z.B. Ameisen den in einer Vertiefung der Lippe gebildeten Nektar aufnehmen, dabei auch Teile der krümeligen Pollenmassen, so daß auch Fremdbestäubung vorkommt.

 
 Typische kräftige Pflanzen im Buchenwald

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