Taxonomische Begriffsdefinition

 
 Die Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich einsetzende „Vermehrung“ der Arten in einigen Orchideengattungen sind der Anlaß dafür, an dieser Stelle einige grundsätzliche Überlegungen zum Artbegriff vorzunehmen. Wir gehen dabei von dem Grundsatz aus, daß jegliche Systematik dazu dienen sollte, uns Menschen die Verwandtschaftsbeziehungen und Unterschiede zwischen den Arten zu verdeutlichen und sie unterscheidbar zu machen. Dies kann nur gelingen, wenn solche klar definierten trennenden Merkmale bekannt sind, die auch in der feldbotanischen Praxis verwendbar sind, denn nur dann werden zum Beispiel Aussagen über die geographische Verbreitung einzelner Sippen möglich.

 Im Minimum muß mindestens ein sicher trennendes Merkmal existieren, das allgemeingültig nachvollzogen werden kann. Außerdem muß eine Art (bzw. Unterart) ein klar definiertes Verbreitungsareal besitzen, in dem sie biologisch oder geographisch isoliert von verwandten Arten auftritt.

 Aus den oben genannten Gründen ist es geboten, an dieser Stelle die Interpretation der taxonomischen Begriffe Art, Unterart und Variation zu umreißen, wie sie diesen Seiten zugrunde liegen:
 1. Eine Art liegt vor, wenn zu ihrer Charakterisierung eindeutige morphologisch trennende Kriterien vorhanden sind und wenn sie ökologisch oder geographisch oder auf andere Weise von verwandten Arten isoliert ein bestimmtes Verbreitungsgebiet besiedelt.
2. Wandelt sich innerhalb oder auch am Rand des Verbreitungsgebietes einer Art deren Erscheinungsbild, so daß es zur Ausbildung einheitlicher Populationen aus morphologisch eindeutig von ihr zu unterscheidenden Pflanzen kommt, wird der Begriff der Unterart benutzt.
3. Treten Abweichungen, auch wenn sie durchaus auffällig sind, sporadisch oder lokal vermischt innerhalb der Populationen einer Art auf, wird der Begriff der Varietät gebraucht.

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