Cypripedium calceolus L.

Frauenschuh

 Die vielleicht prächtigste Orchidee in Deutschland ist der Frauenschuh. Er besiedelt auf kalkreichem Untergrund sehr lichte Waldregionen, nimmt die Beschattung zu, blüht er zunächst nicht mehr, die Pflanzen werden immer kleiner um schließlich auszubleiben. Er ist die einzige Orchidee, bei der das rücksichtslose Ausgraben der Rhizome in vielen Gebieten zu einem drastischen Rückgang der Bestände geführt hat. Als Waldart sollte er eigentlich hinreichend große, potentielle Biotope haben. Allerdings haben Änderungen der Waldnutzung, besonders das über Jahre praktizierte Aufforsten mit schnellwüchsigen, sehr dicht gepflanzten Monokulturen aus Fichten der Art den Lebensraum beschitten.

Immerhin weist die Verbreitungskarte aus, daß er noch keinem größeren Gebiet völlig fehlt. Erfreulich ist die Tatsache, daß es in manchen Mittelgebirgslagen Thüringens und Baden-Württembergs noch wirklich große Bestände vorkommen. In den Alpen steigt er bis über 1800 m, ist hier z.B. in lichten Schluchtwäldern relativ häufig.

 

Ein sehr typisches Biotop zeigt das nebenstehende Bild, wo die Pflanzen in Büscheln an einen steilen Hang, der mit Kiefern licht bestanden ist wachsen.

Er begint seinen Austrieb etwa 1 1/2 Monate vor der Blüte, die in tiefen Mittelgebirgslagen Anfang bis Mitte Mai liegen kann, die Hauptblüte liegt in den höheren Mittelgebirgslagen Anfang Juni, in höheren Alpenregionen erst im Juli.

 

Die Blütenlippe, der Schuh, stellt eine Kesselfalle für kleine Insekten dar. Hineingefallene kleine Bienen können die Falle nur dann verlassen, wenn sie an Staubblatt und Narbe entlang kriechen, dorthin werden sie von einem lichtdurchlässigem Fenster im Schuh geleitet. Beim Verlassen laden sie sich die Pollenmasse auf, oder bestäuben, falls sie schon Pollen tragen, die Blüte.